Die sieben schwarzen Noten

OT: Sette Notte in nero

R, B: Lucio Fulci
B: Roberto Gianviti, Dardano Sacchetti
K: Sergio Salvati
M: Franco Bixio, Fabio Frizzi, Vincente Tempera
D: Jennifer O’Neill, Gianni Garko, Marc Porel, Gabriele Ferzetti
 
Quelle: TV (arte)

Trailer

Seitdem sie als kleines Mädchen den Selbstmord ihrer Mutter in einer Vision vorausgesehen hatte, plagen Virginia (Jennifer O’Neill) solche Vorahnungen. Inzwischen ist sie frisch verheiratet mit dem stinkreichen Francesco Ducci (Gianni Garko), aber auch Dauergast auf der Couch ihres Freundes, dem schnieken Parapsychologen Luca Fattori (Marc Porel).
Virginias neueste Vision hat es wieder in sich: Sie sieht den mutmaßlichen Mord an einer älteren Frau, bei dem der Täter sein Opfer offensichtlich lebend in einer Wand einmauert. Kurze Zeit später möchte sie den verkommenen Familien-Palazzo der Duccis wieder auf Vordermann bringen, um ihren Francesco zu überraschen. Bei der ersten Begehung der Bruchbude erkennt sie das Mordzimmer aus ihrer Vision wieder – inklusive eines ausgebesserten Wandteils an der richtigen Stelle.
Frisch aufgestemmt, findet sich dort tatsächlich ein Skelett. Es handelt sich um die Überreste eines von Francescos ehemaligen Gspusis, seit inzwischen fünf Jahren als vermisst gemeldet. Francesco fährt als Hauptverdächtiger erstmal ein, während Virginia und Luca Licht ins Dunkel bringen wollen. Trotz vielversprechender Fortschritte bleiben Rätsel, denn die Vision Virginias scheint nicht ganz mit den Fakten übereinzustimmen.

Zitate:

„Wir sind in Italien. Da ist man schnell verdächtig.“ (Francesco bringt’s auf den Punkt)
 
Gloria („Evelyn Stewart“ = Ida Galli): „Deshalb steckt Francesco bis zum Hals in der Scheiße. Wegen Ihnen und Ihren Visionen.“

Die Kritik des Gunslingers

Wir haben’s ja schon immer gewusst, liebe Gemeinde: Wer Lucio Fulci auf seine zugegeben oft bekannteren, grobmotorischen trash- und mettguttriefenden Schnetzeleien runterbricht, tut dem Mann bitter Unrecht. Seine Ausflüge in andere Genres zeigen ein durchaus anderes Gesicht des Meisters. Seien es beispielsweise sein früher Italowestern „Django – Sein Gesangbuch war der Colt“ oder sein Thriller „Quäle nie ein Kind zum Scherz“: Fulcis Lucio konnte auch anders.
Zwar war auch vorliegender, weiterer Ausflug Fulcis in den finsteren Giallo-Forst mit entsprechend markigen Worten in den einschlägigen Programmhinweisen und Trailer angeteasert. Da las und raunte man vom „Godfather des Gore“ und dergleichen wohlfeilen Prädikaten mehr. Doch zeigen auch die „Sieben Noten“ Fulcis Gespür für Timing und Rhythmus. Der Film ist ein kompaktes Ganzes, während seine späteren Horror-Ergüsse nicht selten wirkten wie von einem Irren auf der heimischen Werkbank mit grobem Klotz zusammengeschustert. Und nebenbei: In Sachen Gore und Trash hat Fulci hier den Taschenigel auf. Sprich: Es gibt sie schlichtweg kaum. Die beiden blutigsten Szenen des Films sind so „over the top“, dass sie zwar tatsächlich unser Trash-O-Meter wachkitzeln, aber streng genommen nix für den Gorefaktor tun.
Der Streifen segelt zwar unter der Giallo-Flagge, doch fehlen ihm optisch einige Schlüsselmerkmale des Subgenres. Nuditäten? Fehlanzeige. Schnittwaffen? Nur mit gutem Willen, sehr indirekt. Ein maskierter Psycho? Nope. Ansonsten liefert auch dieser Streifen etliche Schauwerte. Die Dekors sind klasse, viel rot als Symbol für die Gefahr, die sich immer dichter um Virginia zusammenzieht. Zudem arbeitet der Film mit Filtern, die der gesamten Szenerie einen gewissen Rotstich verleihen und die Farbsymbolik verstärken. Ich hoffe mal nicht, dass das an meinem Monitor lag und ich mich hier gnadenlos verrenne ;-). Symbole wie der zerbrochene Spiegel sind in Thrillern mit Psycho-Touch eh oft gesehene Bestandteile.
Im Cast ragt für mich Ida Galli heraus, die Francescos Schwester Gloria Kontur gibt. Eine kodderschnäuzige Liebhaberin von Gauloises Mais und Zigarillos. Als weitere Würzzutat in der kräftig abgeschmeckten Thrillerbrühe finden sich einige gute Plot-Twists, die zusammen mit dem exquisiten Score der Fulci-Kumpane Bixio, Frizzi und Tempera für den scharfen Abgang sorgen und die Spannung hochhalten.
Wie die Komponisten ist auch Kameramann Sergio Salvini immer wieder in Fulcis Stab zu finden. So fotografierte er beispielsweise auch „Verdammt zu leben – verdammt zu sterben“, „Das Haus an der Friedhofmauer“ oder den hust legendären „Ein Zombie hing am Glockenseil.“

Rating: $$$$ (Trash: $$$)

Splatter: 3/10





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