Nacht bricht herein, Die

OT:
La Noche avanza


Jahr: MEX 1952
R, B: Roberto Gavaldón
B: Jesús Cardenas, José Revueltas, Luis Spota
K: Jack Draper
M: Raúl Lavista
D: Pedro Armendaríz, José Maria Linares-Rivas, Carlos Múzquiz, Anita Blanch

Quelle: TV (arte)

Nachtclubszene

Jai Alai ist ein Squash-ähnliches Spiel, bei dem oft in Zweierteams ein Hartgummi- oder Lederball gegen eine Wand gedonnert wird. Auf den Ausgang der Spiele werden hohe Wetten abgeschlossen. Profi Marcos Arizmendi (Pedro Armendaríz) ist hier der Beste seiner Zunft und ein Drecksack vor dem Herrn. Seine Frauen – er hat immer mehrere parallel am Start – behandelt er wie Dreck wie auch seine Mitmenschen. In Sachen „Liebe“ kommt neuer Pfeffer ins Spiel, als Sara (Anita Blanch) auftaucht: Marcos hatte sie vor Jahren abserviert, ist nun aber nicht abgeneigt, wieder anzubandeln. Schließlich scheint Sara durch eine Erbschaft kräftig Kasse gemacht zu haben.
So ist es nicht verwunderlich, dass es nicht wenige gibt, die dem Stinkstiefel mal kräftig einen einschenken wollen. Allen voran die junge Rebeca (Rebeca Iturbide), die ein Kind von Marcos erwartet und die er sitzenließ, und ihr Bruder Armando (Carlos Múzquiz), der die Ehre seiner Schwester rächen will. Zudem der Zocker Marcial (José Maria Linares-Rivas), den Marcos in aller Öffentlichkeit demütigte. Nebst Teamkollegen und vielen weiteren.
Doch die Zeit, einen Racheplan in die Tat umzusetzen, ist knapp: Marcos steht unmittelbar vor dem Absprung nach Kuba, da sein Vertrag in Mexiko ausläuft.

Zitate:

Marcos: „Verlierer verdienen es nicht zu leben.“

Die Kritik des Gunslingers:

So düster wie sein Titel kommt dieser mexikanische Film noir auch daher. Das Setting, das Regisseur Robert Gavaldón vor uns ausbreitet, ist entsprechend: Die Charaktere sind gierig, ausschließlich auf den eigenen Vorteil oder zumindest das eigene Wohlergehen bedacht. Man lügt, betrügt und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Loyalität, Respekt sind Fremdworte. Marcials Schergen beispielsweise unterlaufen den Plan ihres Bosses, Marcos geräuschlos zu beseitigen, als sie feststellen, dass der noch 25.000 Dollar auf dem Konto hat, die es zu kassieren gilt. Selbst Armando, dem man vielleicht als einzigem noch sowas wie altruistische Motive unterstellen kann, haut seinen Zweck-Verbündeten Marcial in die Pfanne, als es was extra zu verdienen gibt.
Pedro Armendáriz gibt Marcos als berechnenden Sozialdarwinisten. Mitmenschen sind für ihn ausschließlich dazu da, ihm zu huldigen oder dienen als Baumaterial für seinen Erfolg oder seinen Spaß. Besonders krass treibt er’s mit den Ladies, die ihm allesamt trotzdem hörig sind. An einer Stelle sagt er beispielsweise zu Nachtclubsängerin Lucrecia (Eva Martino), er werde sie sowieso verlassen, sobald er ihrer überdrüssig sei. Aber es käme nicht in Frage, dass sie ihm ein anderer wegnähme. Und auch Sara und Rebeca lassen sich von Marcos demütigen, ohne daraus andere Konsequenzen zu ziehen, als den eigenen Selbstmord anzudrohen.
Passend zur inhaltlichen Düsternis und seinem Titel verirrt sich nur selten mal Tageslicht in den Streifen. Der Nachtclub, in dem Lucrecia engagiert ist, die Straße und die rummelige Sportarena mit ihren Wettschaltern und Koberern geben die richtigen Schauplätze ab für das Geschehen.

Rating: $$$$

Splatter: 1/10





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