London Town

OT:
London Town


Jahr: UK 2016
R: Derrick Borte
B: Matt Brown
K: Hubert Taczanowski
M: Bryan Senti
D: Daniel Huttlestone, Nell Williams, Jonathan Rys Meyers, Dougray Scott

Quelle: YouTube

Trailer

Zusammen mit seinem Vater Nick (Dougray Scott) und seiner kleinen Schwester Alice (Anya McKenna-Bruce) lebt Teenager Shay (Daniel Huttlestone) Ende der 1970er-Jahre in einem provinziellen Londoner Vorort. Mutter Sandrine (Natascha McElhone) hat der Familie schon vor einiger Zeit den Rücken gekehrt: Sie lebt nun in einem besetzten Haus in London und versucht, ihre Musikkarriere voranzutreiben.
Nick hat derweil alle Mühe, den Schlot am Rauchen zu halten: Sein Klavierhandel ist alles andere als eine Goldgrube, so dass er sich die Nächte als Taxifahrer um die Ohren schlägt. Shay hilft so gut er kann und entwickelt dabei beachtliche Hausfrauenqualitäten: Kochen, Einkaufen, auf Alice aufpassen. Dadurch ist er zu allem Überfluss immer wieder Zielscheibe der Schul-Bullies.
Eines Tages muss Shay nach London rein, um für seinen Vater Klavierteile zu besorgen. Im Vorortzug trifft er die gleichaltrige Vivian (Nell Williams), die sich in der aufblühenden Punkszene bewegt und sich des ahnungslosen Provinzlers annimmt. Vivian kann Karten für ein Konzert von The Clash ergattern, 1978 eine der Top-Bands der Bewegung. Der Gig ändert Shays Leben, genauso wie der schwere Unfall, den Nick bei einem Klaviertransport erleidet.

Zitate:

Alice: „Shay, was ist ‚Vögeln‘“? – Shay: „Kochen.“ – Alice: „Mum vögelt viel besser als du.“

Die Kritik des Gunslingers:

Wer von diesem Indie-Streifen einen Musikfilm erwartet oder ein krachig-authentisches Bild aus der Hochzeit des Punk, wird enttäuscht werden. Stattdessen gibt es ein Gute-Laune-Märchen mit leichtem Dramaanteil, Coming-of-Age-Elementen und viel Clash-Mucke. Das aber im besten Sinne.
Der Film baut weniger auf exakte Nachzeichnung als vielmehr auf das Nachspüren der Stimmung dieser Zeit. Dementsprechend stehen die Charaktere eher als Symbole, denn als echte Menschen. Nick beispielsweise repräsentiert die gebeutelte Mittelklasse, die im Großbritannien Margaret Thatchers nicht viel zu lachen hat. Eine Gesellschaft, in der Optimismus großflächig rares Gut geworden ist und in der es ums Überleben geht. Punk und die erstarkende National Front, die Ende der 1970er begonnen hatte, weite Teile der Skinhead-Szene zu vereinnahmen, als Ventile. Atmosphärisch funktioniert der Film hervorragend: Ob das sich nun alles tatsächlich so zugetragen hat, ist mir zumindest herzlich wurscht. Zumal der Streifen ja auch nicht mit einem solchen Anspruch angetreten ist.
Der Plot folgt der klassischen Märchenstruktur, in der das Schicksal für die Hauptperson immer neue Roundhouse-Kicks bereithält, gleichzeitig aber auch Lösungen anbietet. Für Shay ist dies in erster Linie Vivian, die ihn dabei unterstützt, den großen Scheißesee halbwegs trocken zu durchwaten. Dass Shay im Verlauf auch Joe Strummer (Jonathan Rhys Meyers), Leadsänger und Gitarrist der Clash, näherkommt, ist dann halt auch so ein Märchenelement. Aber was soll’s: Bei mir hat der Film auch dank der feinen Darstellerriege die richtigen Saiten angeschlagen.

Rating: $$$$

Splatter: 2/10





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